Corona-Krise - was ist nicht mehr umkehrbar? - Andi Widmann - FOOD FELLAS
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Corona-Krise – was ist nicht mehr umkehrbar? – Andi Widmann

Jeunes Restaurateur Andi Widmann Restaurant Ursprung, Interview Food Fellas Magazine

Was ändert sich aktuell, das genauso bleiben soll und muss?

Andi Widmann: Gute Frage. Die Aufmerksamkeit, die unsere Branche akutell „genießt“ – dass es mehr denn je drauf ankommt, ein kompetenter Unternehmer und nicht nur ein „Dampfplauderer“ zu sein.

Und, dass mit Abstand Wichtigste: Wir sehen, dass unser immer und überall verfügbares Denken der globalisierten Welt Grenzen hat, die wir deutlich aufgezeigt bekommen. Das darf nicht wieder in diesen kranken Food Wahn zurückfallen.

Welche untragbaren Umstände macht die Krise sichtbar?

Andi Widmann:

Dass unsere Branche Rahmenbedingungen hat, die einfach ein solides Wirtschaften nicht möglich machen. Das du entweder investieren und riskieren kannst, oder stehen bleibst. Ein gesunder Mittelweg ist nicht möglich. UND – dass unsere Branche bei weitem nicht das Standing in der Politik hat, das sie haben müsste. Denn wir sind ein ganz wichtiger Teil Kultur und Lebensqualität.

Aber es zeigt sich auch, dass viele Menschen nach wie vor keinen Wert auf gute Ernährung legen. Was wird gerade leer gekauft? Billigfutter, günstiges Take Away und Lieferservice.

Wie kann die gestiegene Wertschätzung beibehalten werden?

Welche gestiegene Wertschätzung? Dass es wichtiger ist, Autohaus-Filialen wieder zu öffnen, bevor man uns die Möglichkeit gibt, klare Strategien zu entwickeln? Oder dass das aktuelle Angebot der Hilfe in utopischen Krediten besteht?

Aber ja, regional, bei unseren Kunden haben wir eine Wertschätzung dafür, wie viele von uns ihre Betriebe innerhalb kurzer Zeit sofort umgestellt haben, weiter optimistisch bleiben und kämpfen.

Die Wertschätzung des Gastes kann nur beibehalten werden, wenn wir als Branche – zumindest die der Qualitäts Gastronomie und Hotellerie endlich einig an einem Strang ziehen!

Was bedeutet gemeinsames Essen noch für den sozialen Austausch?

Andi Widmann: Es ist die Grundlage meiner Meinung nach. Wenn jeder von uns zurück denkt an schöne Erinnerungen, Stunden der Ausgelassenheit. Irgendwie war doch immer Essen und Trinken mit im Spiel. Ob es das Sommerfest des Dorfwirts war, das Weinfest, wo man mal einen über den Durst getrunken hat. Ein tolles Dinner mit der Liebsten – oder einfach die leckere Pizza mit Freunden im Park – selbst bei jugendlichen Abstürzen mit den Kumpels war ein Disko-Betreiber mit dabei und der „late night“ Döner essenziell.

Wer ist jetzt gefragt, zu handeln?

Andi Widmann: Die Vernünftigen. Und nicht jeder einzeln. Seinen Betrieb muss jeder selbst im Griff haben. Aber wir sind viele Kleine, da macht der Einzelne bei den „Lobby“ Partys in Berlin keinen Eindruck. Da müssen wir als Branche auftreten. Das muss uns klar sein, dass wir eine massivere und stärkere Vertretung unserer Interessen brauchen. Und ja, wir brauchen wieder höhere Hürden, gastronomische Betriebe öffnen zu dürfen.

Wir als Branche müssen konstruktive Vorschläge machen und die Politik muss sehr gut zuhören und umsetzen.

Mit wem würdest Du dazu gern auf einem Podium diskutieren?

Andi Widmann: Oh je. Ich kann sehr energisch werden. Da gäbe es schon einige Ideen. Konstruktiv wäre es sicher mit Menschen, die auch Entscheidungen treffen können; also diejenigen, die in politischen Gremien sitzen.

Was sagt der Gast konkret zu Dir / welches Feedback oder Meinungen hast Du erhalten?

Andi Widmann: Das Feedback war überwältigend positiv. Wir haben uns von Anfang an klar positioniert. Und viele verstehen unsere Nöte. Aber jetzt höre ich auch schon die ersten Stimmen, wir würden anfangen zu jammern und mit beispielsweise der 7% Forderung Kapital schlagen wollen. Da bekomme ich einen Hals!