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KUGU Nussrösterei in Berlin Kreuzberg — neue orientalische Entdeckungen für Food Fellas

Noch bevor wir den Laden betreten, mischen sich in die Verkehrsabgase am Kottbusser Damm plötzlich noch ganz andere Düfte.

Exotisch und doch nicht unvertraut. Alte Eindrücke von orientalischen Gewürzmärkten tauchen vor mir auf, neben blassen Kindheitserinnerungen vom Weihnachtsmarkt.

Drinnen erfüllt der Duft nach Nüssen, Vanillezucker und Zimt derartig den Raum, dass es nur noch zwei Möglichkeiten gibt: Flucht oder Hingabe. Gott sei Dank habe ich seit meinem letzten Besuch eine Ahnung, in welche Richtung ich tendiere. Das erleichtert die Sache enorm.

Qualität der Lebensmittel über alles

Gül und Ali Gürsel haben sich mit der Nussrösterei vor zweieinhalb Jahren einen Lebenstraum verwirklicht. Ali hat seit zehn Jahren Erfahrung mit dem Handwerk gesammelt, Gül unterstützt ihn tatkräftig, und zwar nicht nur mit der Buchhaltung. Sie betont, dass sie auf ihre gerösteten Nüsse am meisten stolz sind. Dabei ist alles gleich wichtig: Die Abstimmung der Zutaten in der richtigen Menge, wie auch die Wahl der natürlichen Ausgangsprodukte. Bei den Walnüssen haben sie sich für welche aus Kanada entschieden. Dabei geht ihnen Qualität über alles.

„Natürlich gibt es Leute, die hereinkommen, zuerst nach dem Preis fragen und ihn zu teuer finden. Aber die sollen ruhig die industriellen Nüsse im Supermarkt kaufen.“ Die Gürsels haben ein andere Zielgruppe vor Augen. Eine, die es zu schätzen weiß, wenn reine Naturprodukte ohne jede Zusätze nach Jahrhunderte alter Tradition auf höchstem Niveau zubereitet werden. Ein Luxusprodukt, ganz ohne Frage. Aber eines, das trotzdem für jeden erschwinglich ist. Man muss sich nur dessen Wert bewusst sein.

Food Fellas‘ neue orientalische Entdeckungen

Aber die KUGU Nussrösterei hat noch mehr zu bieten für den neugierigen Europäer, der neue Geschmackskontinente erobern will. Da gibt es Akide, die zum Schwarztee gereicht werden, eine Art aromatisierter Kandiszucker. Ich wähle einen auf Granatapfelbasis, lutsche ihn, finde es erst unerträglich süß, bis der Schwarztee dazu kommt. Und es funktioniert: Das Süße und das Bittere halten sich die Waage, und es macht Spaß, den Tee so zu sich zu nehmen, dass die Balance erhalten bleibt.

Zum Mokka dagegen gibt es Lokum. Die Konfekt-Masse wird aus Pistazien, Mandeln, Nüssen, Kokosraspeln oder getrockneten Früchten und Zucker hergestellt. Die andere Variation ist der Türkische Honig. Gül hat zu jeder der Varianten eine Geschichte, ganz egal, ob es dabei um die Herstellung geht, oder um eine Anekdote aus Sultans Tagen. Aus jedem ihrer Worte sprüht ihre Begeisterung über ihre Produkte. Als ich mir ein Lokum aussuche, meint sie fast entschuldigend, dass es kein traditionelles sei, sondern eine Eigenkreation von ihr. Was soll ich sagen? Es ist ein kleiner Würfel auf Granatapfelbasis mit Pistazien. Am besten hingehen und selbst probieren.

Und was nützt es der eigenen Küche?

Natürlich muss ich mir von solch einem tollen Ort unbedingt etwas mitnehmen, was zum experimentieren in der Küche taugt. Nachdem ich die übliche Ration an Dattelkonfekt geordert und das Regal mit den Gewürzen überflogen hab, fällt mein Blick auf den Korb mit Johannisbrot. Es ist das erste Mal, dass ich es so sehe. Ich weiß, dass es als Tierfutter genutzt und dem Täufer angeblich das Überleben in der Wüste gesichert hat. Dass es ein Kakao Aroma haben soll, ohne den bitteren Anteil. Da meint Gül, die türkischen Männer brechen es in Stücke und machen einen Aufguss davon, der angeblich potenzfördernd sei. Nun, das sollte mich auf keinen Fall davon abhalten…



Kugu Kuruyemis Nussrösterei in Berlin Kreuzberg
Kottbusser Damm 13
10967 Berlin-Kreuzberg
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Artikel: Holger Badura, Fotos: ©Food Fellas