Interview mit Maja Kirsch

Maja Kirsch kommt aus der Gastronomie und dem Handel. Sie hat im Service begonnen, später im Einkauf, im Vertrieb und in der Personalführung gearbeitet. Diese Schnittstellenrolle zwischen Gast, Produkt und Team hat ihr gezeigt, wie ein Betrieb wirklich funktioniert und wo Wirkung entsteht: in klaren Abläufen, in guter Führung und in einer starken Haltung.
Ihr Ziel ist immer gleich: ein Betrieb, der menschlich führt, wirtschaftlich denkt und ein Erlebnis schafft, das Gäste spüren.
Heute begleitet sie Hotels, Restaurants und serviceorientierte Unternehmen, die raus wollen aus dem Dauerfeuer und hinein in verlässliche Strukturen. Ihr Ansatz verbindet Gastgeberkultur mit moderner Organisationsentwicklung. Sie hilft Teams, Verantwortung zu übernehmen, und Führungskräften, Entscheidungen klarer zu treffen.

Interview mit Gasteroberaterin Maja Kirsch
Food Fellas: Du kennst die Gastronomie aus allen Perspektiven – als Servicekraft, als Serviceleitung, als Sommelière, als Beraterin, als Organisationsentwicklerin und als Coach – nur nicht als Köchin, aber auch als Gast! In welcher Rolle war deine glücklichste Zeit?
Maja Kirsch: Am glücklichsten war ich immer dann, wenn ich Gastgeberin sein konnte. Nicht nur am Tisch, sondern im größeren Sinn: als jemand, der Menschen befähigt, Mut fasst und ihren Weg klarer sieht. Ob ich Gäste durch einen Abend geführt habe oder Teams durch Veränderung – dieses Gefühl ist das gleiche.
Ich habe jede Station mit Leidenschaft gemacht. Deshalb kann ich nicht sagen, dass es eine „beste“ Phase gab. Jede Rolle hat mir erlaubt zu wachsen, Verantwortung zu übernehmen und etwas auszulösen. Ich hatte immer Menschen um mich, die mir vertraut haben, mich gestärkt oder herausgefordert haben.
Was mich bis heute glücklich macht, ist genau das: wenn etwas bleibt. Ein Gefühl, ein Moment, ein Impuls, der bei Menschen Wirkung hinterlässt.

Das war früher so und das ist es heute noch – nur mit größerer Reichweite.
Food Fellas: An welcher Stelle hat sich am meisten getan, seit du in der Gastronomie bist?
Maja Kirsch: Die größte Veränderung liegt im Verständnis für Kultur. Früher wurde vieles über Tempo und Druck gesteuert.
Ohne klare Führung, respektvollen Umgang und funktionierende Abläufe hält heute kein Betrieb durch.
Heute erkennen immer mehr Betriebe, dass gute Führung, klare Abläufe und wertschätzender Umgang entscheiden, ob Menschen bleiben und ob ein Betrieb stabil läuft.
Food Fellas: Dir ist es ein großes Anliegen, für die Gastronomie zu werben. Warum ist der Bedarf da?
Maja Kirsch: Weil viele Unternehmen im Alltag untergehen. Fachkräftemangel, Kosten und Gästewünsche treffen sich gleichzeitig.
Gastronomie ist mehr als ein Wirtschaftszweig: Sie ist ein sozialer Raum. Wenn wir Betriebe stärken, stärken wir Orte, an denen Begegnung und Miteinander passieren.
Food Fellas: Erzähl uns etwas über deinen Podcast – bitte auch Ausstrahlungs-Links etc.
Maja Kirsch: Kirsch Royal erzählt echte Geschichten der Branche. Ich spreche mit und über Menschen, die Gastgeberkultur leben: Köchinnen und Köche, Unternehmerinnen und Unternehmer, Fachleute aus der Branche. Es geht um Führung, Genuss, Kultur und Verantwortung. Der Podcast ist auf allen gängigen Plattformen abrufbar.
Food Fellas: Was meinst du, sollten Gäste besser verstehen?
Maja Kirsch: Hinter jedem gelungenen Abend stehen Abläufe, die mühelos wirken sollen, aber viel Mühe machen. Vorbereitung, Timing, Kommunikation, Haltung. Und hinter jedem Mitarbeitenden steht ein Mensch.
Erst wenn arbeitende und genießende Menschen beide wahrgenommen und wertgeschätzt werden, entsteht echte Begeisterung.
Ein gutes Erlebnis ist nie Zufall.
Food Fellas: Wie kann das gelingen?
Maja Kirsch: Indem wir transparenter werden und wieder miteinander sprechen. Gäste dürfen verstehen, warum Abläufe so sind, wie sie sind, und Teams dürfen zeigen, welche Leidenschaft hinter Lebensmitteln, Gerichten und Atmosphäre steckt.
Gastronomie lebt von Geschichten. Wenn wir diese Geschichten wieder erzählen und uns Zeit nehmen zuzuhören, entsteht Nähe und Verständnis.
Wenn Teams erzählen und Gäste zuhören, entsteht Wertschätzung.

Food Fellas: Wie ist deine Prognose für eine Gastronomie der Zukunft – im Idealfall und in der Realität?
Maja Kirsch: Im Idealfall entsteht eine Branche, die ihre Menschen schützt, die Profession ernst nimmt und in Kultur, Weiterbildung und Führung investiert. Die Realität bleibt anspruchsvoll, aber viele Betriebe gehen neue Wege. Die Zukunft wird eine Verbindung aus klaren Strukturen, guter Führung und intelligent eingesetzter Digitalisierung sein.
Die Zukunft der Gastro hängt nicht an Zahlen. Sie hängt an Menschen, die bleiben wollen.
Food Fellas: Welche Rolle wird deiner Meinung nach die KI in der Gastronomie und Hotellerie spielen?
Maja Kirsch: KI wird Abläufe stabilisieren, Personalplanung erleichtern und Teams Zeit zurückgeben. Sie kann Routine übernehmen, aber nicht die Persönlichkeit eines Abends ersetzen.
KI ersetzt keine Gastgeberkultur, sie ermöglicht sie.
Food Fellas: Und welche Rolle die Nachhaltigkeit?
Maja Kirsch:
Nachhaltigkeit wird Teil der unternehmerischen Verantwortung. Nicht als Trend, sondern als wirtschaftliche Notwendigkeit.
Betriebe, die Herkunft, Ressourcen und Prozesse konsequent mitdenken, werden resilienter und glaubwürdiger.
Food Fellas: Glaubst du, dass in Krisenzeiten die Küche wieder regionaler oder nationaler wird?
Maja Kirsch: Ja. Regionale Netzwerke geben Sicherheit, erzählen echte Geschichten und machen Betriebe unabhängiger.
In unsicheren Zeiten gewinnen Nähe und Herkunft an Bedeutung.

Food Fellas: Gibt es Sparten, die du gern mit mehr Unterstützung versehen würdest, oder gar Projekte, die auch die Leser unterstützen können?
Maja Kirsch: Betriebe mit gewachsenen Strukturen, die eine starke zweite Führungsebene brauchen. Junge Führungskräfte, die Verantwortung übernehmen wollen. Und Unternehmen, die nicht wissen, dass Beratung förderfähig sein kann und damit Entwicklung leichter finanzierbar wird.
Food Fellas: Wenn du dir den perfekten gastronomischen Ort erschaffen könntest – welcher wäre es?
Maja Kirsch:
Ein Ort, an dem Menschen arbeiten können, ohne auszubrennen. Ein Haus, das Qualität ernst nimmt, Haltung zeigt und menschlich bleibt.
Ein Ort, an dem Gastgeberkultur im Team beginnt und Gäste das spüren.
Vielen Dank für das inspirierende und klare Gespräch und Deine Klarheit!

